Mittwoch, 10. Juli 2019

Katarina Bivald „Ein Buchladen zum Verlieben“

So richtig Ferien-/ Urlaubslektüre. Was zum Träumen. Da hat eine junge schwedische Buchhändlerin, Sara, eine Brieffreundschaft zu einer älteren amerikanischen Dame, Amy. Wie diese Brieffreundschaft zustande kam, wird nicht erzählt, ist aber letztlich auch nicht wichtig. Entscheidend ist, was daraus wird. Die Buchhandlung, in der Sara arbeitet, wird geschlossen und Sara beschließt, Amys Einladung nach Amerika zu folgen. Nur vier Wochen Urlaub und dann sehen, was sie weiter tun wird. Aber als sie in dem kleinen Ort in Iowa, Broken Wheel, ankommt, ist Amy verstorben und Sara weiß nicht so recht, was sie dort soll.
Da sie nichts weiter zu tun hat und ja Geld für die Reise gespart hatte, beschließt sie, ihren Urlaub zu genießen und sich durch Amis Bibliothek zu lesen.
Doch die Menschen in dem sehr kleinen Ort haben ihre Pläne mit ihr.
Da Sara zwar viel liest und darum nie Langeweile hat, letztlich aber auch irgendetwas tun will, eröffnet sie mit Amys Büchern eine Buchhandlung in dem Ort, in dem es sonst kaum etwas gibt. Sie beschließt, den Menschen die Faszination, die von Büchern ausgehen kann, nahezubringen. Und das gelingt ihr. 
Schließlich heiratet sie und bleibt dort… ja, ein bisschen kitschig vielleicht, aber doch für alle Leseratten eine genussvolle Lektüre. 

Elisabeth Graver „Die Sommer der Porters“


Die Autorin sagte mir gar nichts und doch nahm ich das Buch mit auf meine Reise nach Frankreich. Es versprach Familiengeschichte über 60 Jahre und das interessiert mich immer.
Es geht um eine wohlhabende Familie in Massachusetts, die ein Sommerhaus auf einer felsigen Halbinsel besitzt. Dort verbringen sie ihre Sommermonate. Als die Kinder größer werden, werden neue Häuser gebaut und egal wie gut man sich versteht- die Sommer in Ashaunt- so der Name der fiktiven Halbinsel- sind jedem Einzelnen wichtig und es ist völlig klar, dass man den Sommer dort verbringt. 
Es ist ein anderes Leben dort, frei von Zwängen, naturverbunden und doch nicht ohne die gewohnten Annehmlichkeiten.
Elisabeth Graver lässt einige Charaktere besonders zu Wort kommen: eines der schottischen Kindermädchen (Bea), eine der Töchter (Helen), deren Sohn (Charlie). Aus ihrer Sicht schildern sie das Leben auf Ashaunt, ihre Schwierigkeiten mit dem Leben dort und im Allgemeinen. Aber auch die Liebe zu den Menschen, zum Sommersitz, zum Leben. 
Die Autorin wählt unterschiedliche Schreibweisen: erzählend aus Beas Sicht ohne sie als Ich- Erzählerin zu gestalten, Helen in Briefen und dann, ein paar Kapitel später ihre Sicht schildernd, Charlie ebenfalls als Hauptfigur über viele Seiten mit seiner Sicht auf sein Leben und das Verhältnis zu seiner Mutter und den Sommersitz.
Zwischenzeitlich schiebt sie Absätze ein, in denen zusammengefasst wird, was in den folgenden Jahren geschieht/ geschehen wird, so dass Fragen, die sich einem zu der einen oder anderen Person stellen, doch noch beantwortet werden.

Sonntag, 4. November 2018

Deborah Feldmann „unorthodox“ und „Überbitten“

Ich hatte das Buch „unorthodox“ schon lange auf meiner Leseliste. Ich weiß nicht, warum ich es so lange aufschob, es zu kaufen und zu lesen. Die jüdische Kultur hat mich von jeher wie so vieles interessiert. Nur hatte ich keinen Kontakt damit. Im Osten Deutschlands, wo ich aufwuchs, stilisierte sich die Gesellschaft als antifaschistisch. Über die Juden wurde nur gesprochen, wenn man die Nazis anprangerte, und das geschah beinahe täglich. Aber über die jüdische Kultur erfuhr man nichts. Es wurde nur, und das gefühlt täglich, in der Schule hervorgehoben, was die Nazis den Juden Schreckliches angetan haben. Wie viele Opfer, welche Grausamkeiten, diese en Detail. Bereits in der Grundschule, in der ersten Klasse wurden wir in das ehemalige KZ Sachsenhausen geführt. Die Verbrennungsöfen, die Erschießungsanlage und die Lampe mit dem Schirm aus Menschenhaut haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. 
Über die jüdische Kultur erfuhr ich erst viel später, auf meiner Reise nach Israel 2013 und aus verschiedenen Büchern, wie nun auch aus diesem von Deborah Feldmann. 
Sie beschreibt, welche Folgen der Holocaust speziell für ihre Familie hatte und welche Auswirkungen damit auf ihr eigenes Leben. Ihre Großeltern hatten die Schreckenszeit überlebt. Deborah wächst bei Ihnen auf. Sie verbringt ihre Kindheit in einer nahezu abgeschlossenen Welt, einem Viertel Brooklyns, in dem überwiegend orthodoxe Juden wohnen. Die Gemeinschaft ist der Meinung, sie müsse sich extrem an die Gesetze der Thora halten. Denn, so sagen sie, weil die Juden zu weltlich wurden, weil sie sich zu sehr an die modernen Gesellschaften, in denen sie lebten, anpassten, sandte ihnen Gott den Holocaust. Um so etwas für immer zu verhindern, leben sie nun in einer orthodoxen Gemeinschaft, in der das „Gesetz“ über allem steht. Verboten, verboten, verboten! Das ist der Alltag von Deborah Feldmann.