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Montag, 16. Mai 2016

Raquel J. Palacio „Wunder“

Wie lebt man mit einem Gendefekt, der dazu führte, dass von Geburt an das eigene Gesicht von allem abweicht, das die menschliche Gesellschaft gewohnt ist? Und wie gehen die Menschen der unmittelbaren Umgebung, Familie, Schule, Nachbarn, Freunde… damit um?
Dem geht Raquel J. Palacio in ihrem Buch „Wunder“ auf den Grund. Ein Junge mit eben diesem Problem soll, nach Jahren des Hausunterrichts, nun endlich zur Schule gehen. In die Welt hinaus, auch wenn die Eltern wissen, dass es hart werden wird. Für alle. Aber insbesondere für den Jungen.

Samstag, 5. Juli 2014

Hervé Le Tellier „Neun Tage in Lissabon“

Ein trauriges Buch. Für mich jedenfalls. Das ist, wie es mich zurücklässt, nachdem die letzte Seite, der letzte Satz gelesen sind.
Mein erster Gedanke, als ich das Buch schloss, war: ‚Der Arme- so unfähig zu lieben!“ Dabei meine ich nicht DIE Liebe zwischen zwei Menschen, die Verliebtheit, das sich- zueinander- hingezogen- fühlen, dieses Gefühl der Ausschließlichkeit und alles was damit zusammenhängt bzw. darauf folgt. Nein, ich meine die allgemeine Fähigkeit zu lieben, das Leben, andere Menschen, die Natur, Musik und was sonst noch alles liebenswert ist.

Julian Barnes Das Ende einer Geschichte“

Diese Geschichte stimmte mich sehr nachdenklich. Sie erzählt von einem, der sich am Ende seines Lebens wähnt und dieses sehr abgeklärt an sich vorüberziehen sowie den Leser daran teilhaben lässt. Der Protagonist ist ein Mann im Ruhestand. Im ersten Teil beschreibt er sein Leben, insbesondere seine Jugend und seine erste große Liebe. Der Rest wird auf nur wenigen Seiten fast stenografisch zusammengefasst. Alles in einem Ton, der Abstand, Akzeptanz, Sicherheit der Erinnerung vermittelt. Kein Hadern, kein Aufbegehren, kein Bedauern… es wirkt ein wenig so, als hätte der Protagonist abgeschlossen und warte nur noch auf das Ende. Am Ende des ersten Teils sagt er: „Das ist dann ein Leben, nicht wahr? Ein paar Erfolge, ein paar Enttäuschungen. Für mich war es interessant, aber ich würde mich nicht beklagen oder wundern, wenn andere das anders sähen.“

Carla Guelfenbein „Die Frau unseres Lebens“

Eine Frau und zwei Männer. Das klingt schon im Titel an. Aber es geht um viel mehr als das.
Theo, der Erzähler, ist ein zurückhaltender Mensch. Antonio, ein chilenischer Student im englischen Exil, wirkt auf ihn wie eine gespannte Bogensehne- ruhig, konzentriert und im richtigen Moment kraftvoll hervorschnellend. Die Freundschaft zu ihm empfindet Theo als Geschenk, das ihn aus seiner normalen Welt herausholt, heraushebt. Clara, Antonios Freundin, fasziniert Theo. Sie tanzt, sie zeichnet, sie schreibt Tagebuch… Als Theo erfährt, dass Antonio und Clara kein Paar sind, wagt er sich näher und es entsteht eine zarte Beziehung. Soweit eine alltägliche Geschichte.