Montag, 13. April 2020

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“


So lange habe ich nicht mehr über eines der Bücher geschrieben, die ich las. Nun endlich nehme ich mir wieder die Zeit dafür.
Zeit, darum geht es unter anderem in diesem Roman von Pascal Mercier. Bereits seinen Roman „Nachtzug nach Lissabon“ las ich mit Begeisterung und nun dieses Buch.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten hineinzufinden in den Text. Es geht um einen Mann, den Übersetzer Simon Leyland, dem ein Arzt eine schreckliche Diagnose eröffnet. Noch einige Wochen, vielleicht Monate habe er zu leben. Dann, elf Wochen später: es war ein Irrtum! Er ist gesund. Wie lange ihm nun noch bleibt, weiß er nicht. Nur, dass es vermutlich länger sein wird als eben noch angenommen.
Anfangs fand ich es mühselig, seinen Blick nach innen und in die Vergangenheit mitzuverfolgen. Dann jedoch veränderte sich etwas und ich genoss zunehmend die philosophischen Betrachtungen und Gespräche, die Leyland sowohl im realen Leben, als auch in seinen Briefen führt. Diese Briefe an seine, schon vor langer Zeit verstorbene, Frau erzählen von seinem bisherigen Leben, geben Einblick in das, was ihn jetzt ausmacht und was ihn in der Vergangenheit beschäftigte. 
Zeit ist ein großes Thema in diesem Buch. Wie gehen wir um mit unserer Zeit solange wir meinen, noch viel davon zu haben? Wie oft lassen wir Zeit verstreichen oder verschwenden unsere Zeit? Die Passagen, in denen sich Leyland mit anderen oder mit sich selbst mit diesem Thema auseinandersetzt, haben mich sehr nachdenklich werden lassen und mich angeregt, mir auch meine Zeit anzuschauen. Wie genieße ich meine Zeit? Wie oft vertrödele ich sie einfach nur? Was es bedeutet, seine Zeit zu vertrödeln, zu vergeuden etc., darüber philosophiert auch Leyland zwischenzeitlich mit seiner Tochter.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Felicity H. McCoy „Die Bücherei am Ende der Welt“

Irland, ein altes Cottage, ein kleiner Ort, eine weitläufige Gegend- das Ende der Welt eben.
Eine Frau, die nach ihrer Scheidung mit ihrer Tochter aus London ins heimatliche Irland und sogar ins Haus ihrer Eltern zurückkehrt. Die Geschichte beginnt, als die Tochter schon aus dem Haus ist, während die Mutter weiterhin im Haus ihrer Mutter lebt. Sie arbeitet in der Bibliothek einer Kleinstadt. Eine abgeschlossene Ausbildung hat sie nicht, da sie früh geheiratet hat, für Ehe, Hausbau und Mutterschaft sowie die Karriere ihres Mannes ihre eigenen Berufswünsche aufgab. Als sie die Untreue ihres Mannes entdeckt, ist die Tochter ein Teenager und für sie scheinbar alles zu spät. Sie ist froh über die Stelle als Bibliothekarin, auch wenn sie grundsätzlich mit ihrem Leben hadert und das auch ausstrahlt. 
Sie hatte bei der Scheidung von ihrem Mann auf alles verzichtet. Bloß weg! Einen Schlussstrich ziehen! Nun, genervt vom Zusammenleben mit ihrer Mutter, erinnert sie sich daran, dass eine Tante ihr ein kleines Cottage vererbt hatte. Sie beschließt, ihren Ex- Mann um finanzielle Unterstützung zu bitten, um das Haus bewohnbar zu machen. 
Soweit der Ausgangspunkt. Dann geschieht, was in ländlichen Gegenden so typisch ist. Geld geht dahin, wo schon viel Geld ist. Die Regionalverwaltung stellt ein Konzept vor, wie das Geld eingesetzt werden soll. Zum Schein sollen die Bürger einbezogen werden. Doch im Grunde würde das Geld nicht der Gegend, sondern nur zwei Städten zugutekommen. Und eigentlich ist sowieso schon alles entschieden. Hanna ist zunächst unbeteiligt, aber durch ihren jungen Mitarbeiter und die Erkenntnis, dass sie sich endlich mal zur Wehr setzen muss, sich nicht immer treiben lassen und von anderen an der Nase herumführen lassen sollte, beginnt sie, sich zu engagieren.
Letztlich zeigt diese Geschichte, dass man doch viel tun kann, wenn man sich engagiert, wenn man die Leute um sich herum aktiviert, motiviert und aufzeigt, was möglich ist. Die Gemeinschaft ist nicht einfach, aber sie kann, wenn man Ideale hat, wenn man Zuversicht entwickelt und sich einbringt, ganz viel Positives bewirken und enorme Kräfte entfalten. 
Dies ist ein Buch, das zeigt, wie man auch in den ländlichen Gegenden, in denen so wenig Zuversicht herrscht, so viel bewegen kann und wie man aus einer solchen Aktivität auch viel für sein eignes Wohlbefinden gewinnen kann.

Katarina Bivald „Ein Buchladen zum Verlieben“

So richtig Ferien-/ Urlaubslektüre. Was zum Träumen. Da hat eine junge schwedische Buchhändlerin, Sara, eine Brieffreundschaft zu einer älteren amerikanischen Dame, Amy. Wie diese Brieffreundschaft zustande kam, wird nicht erzählt, ist aber letztlich auch nicht wichtig. Entscheidend ist, was daraus wird. Die Buchhandlung, in der Sara arbeitet, wird geschlossen und Sara beschließt, Amys Einladung nach Amerika zu folgen. Nur vier Wochen Urlaub und dann sehen, was sie weiter tun wird. Aber als sie in dem kleinen Ort in Iowa, Broken Wheel, ankommt, ist Amy verstorben und Sara weiß nicht so recht, was sie dort soll.
Da sie nichts weiter zu tun hat und ja Geld für die Reise gespart hatte, beschließt sie, ihren Urlaub zu genießen und sich durch Amis Bibliothek zu lesen.
Doch die Menschen in dem sehr kleinen Ort haben ihre Pläne mit ihr.
Da Sara zwar viel liest und darum nie Langeweile hat, letztlich aber auch irgendetwas tun will, eröffnet sie mit Amys Büchern eine Buchhandlung in dem Ort, in dem es sonst kaum etwas gibt. Sie beschließt, den Menschen die Faszination, die von Büchern ausgehen kann, nahezubringen. Und das gelingt ihr. 
Schließlich heiratet sie und bleibt dort… ja, ein bisschen kitschig vielleicht, aber doch für alle Leseratten eine genussvolle Lektüre.