So lange habe ich nicht mehr über eines der Bücher geschrieben, die ich las. Nun endlich nehme ich mir wieder die Zeit dafür.
Zeit, darum geht es unter anderem in diesem Roman von Pascal Mercier. Bereits seinen Roman „Nachtzug nach Lissabon“ las ich mit Begeisterung und nun dieses Buch.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten hineinzufinden in den Text. Es geht um einen Mann, den Übersetzer Simon Leyland, dem ein Arzt eine schreckliche Diagnose eröffnet. Noch einige Wochen, vielleicht Monate habe er zu leben. Dann, elf Wochen später: es war ein Irrtum! Er ist gesund. Wie lange ihm nun noch bleibt, weiß er nicht. Nur, dass es vermutlich länger sein wird als eben noch angenommen.
Anfangs fand ich es mühselig, seinen Blick nach innen und in die Vergangenheit mitzuverfolgen. Dann jedoch veränderte sich etwas und ich genoss zunehmend die philosophischen Betrachtungen und Gespräche, die Leyland sowohl im realen Leben, als auch in seinen Briefen führt. Diese Briefe an seine, schon vor langer Zeit verstorbene, Frau erzählen von seinem bisherigen Leben, geben Einblick in das, was ihn jetzt ausmacht und was ihn in der Vergangenheit beschäftigte.
Zeit ist ein großes Thema in diesem Buch. Wie gehen wir um mit unserer Zeit solange wir meinen, noch viel davon zu haben? Wie oft lassen wir Zeit verstreichen oder verschwenden unsere Zeit? Die Passagen, in denen sich Leyland mit anderen oder mit sich selbst mit diesem Thema auseinandersetzt, haben mich sehr nachdenklich werden lassen und mich angeregt, mir auch meine Zeit anzuschauen. Wie genieße ich meine Zeit? Wie oft vertrödele ich sie einfach nur? Was es bedeutet, seine Zeit zu vertrödeln, zu vergeuden etc., darüber philosophiert auch Leyland zwischenzeitlich mit seiner Tochter.
„La nuit tombe. Night is falling. Mit Einbruch der Dunkelheit- warum klang das gewaltsamer als das Fallen? Warum brach die Morgendämmerung an und die Abenddämmerung herein?“
Schließlich geht es noch um Poesie:
„Poesie- sie hat, scheint mir, mit der Erfahrung von Zeit zu tun… Vielleicht könnte man sagen: Sie ist eine Art, die Gegenwart ganz Gegenwart sein zu lassen. Ein Mittel, die Zeit anzuhalten.“
Auch über Erinnern und Vergangenheit wird philosophiert und schließlich noch über das Thema Sterbehilfe.
Am Ende findet Leyland selbst zum Schreiben einer Erzählung und der Leser nimmt teil an diesem Prozess:
„Schreiben ist schön, weil es die beiden Freuden vereint: zu sich selbst und zugleich zu vielen anderen zu sprechen.“
Insgesamt ist „Das Gewicht der Worte“ für mich ein sehr inspirierendes Buch, das ich sicher immer mal wieder zur Hand nehmen werde. Die Art des Austausches mit anderen, sich in die Tiefe von Themen zu begeben und sich die Zeit zu nehmen, ein Thema mit anderen intensiv und von allen Seiten zu betrachten/ zu beleuchten, gefällt mir selbst sehr. Beim Lesen wurde mir bewusst, wie selten ich in den letzten Jahren solchen Austausch hatte, einfach, weil die Zeit scheinbar immer schneller war als ich. Wenn man solche Gespräche führen möchte, benötigt man Zeit und Muße. Ich werde sie mir wieder öfter nehmen!
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