Donnerstag, 16. Juli 2020

Éric Vuillard „Die Tagesordnung“


Ein schmales Büchlein mit gewichtigem Inhalt. Ausgehend vom Treffen vierundzwanzig hochrangiger Vertreter der Industrie mit Adolf Hitler am 20. Februar 1933 skizziert Vuillard die Zeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Dabei betrachtet er vor allem das, was hinter den Kulissen geschah, das, was nicht unbedingt zum allgemeinen Wissen gehört und vergleicht am Ende die Bereitschaft der Industriellen, den Wahlkampf von Adolf Hitler zu finanzieren mit der, lange nach dem Krieg die vergleichsweise wenigen noch lebenden Zwangsarbeiter zu entschädigen, die unter unmenschlichen Bedingungen maßgeblich zum noch heute existierenden Reichtum der Firmen beitrugen.

Dieses Buch liest sich nicht mal eben so weg. Es setzt einiges Wissen über diese düstere Zeit voraus und ist in einer Sprache geschrieben, die Konzentration erfordert. Überliest man einen Satz, will man querlesen, geht der Sinn des Ganzen verloren und man blättert zurück, liest noch einmal.

Ein Zitat als Beispiel: „Was an diesem Krieg verblüfft, ist der unerhörter Erfolg der Frechheit, der uns eines lehren sollte: Die Welt gehorcht dem Bluff. Selbst die seriöseste, steifste Welt, selbst die alte Ordnung, die sich niemals dem Anspruch der Gerechtigkeit beugt oder vor dem aufständischen Volk einknickt: Sie tut es vor dem Bluff.“

Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Geschichte interessieren und Freude an tiefgründiger Literatur, gedanklichen Winkelzügen sowie stellenweise sarkastischem Tonfall haben.

 

 

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