Donnerstag, 15. Juli 2021

Juli Zeh „Über Menschen“

Jochen, der Rochen ist eine Hündin, Dora, heißt so (behauptet sie mal eben kurz), weil ihr Haus in Dorfrandlage liegt und ein Dorfnazi ist Doras rechter Nachbar- echt jetzt!

Dora, eine Werbetexterin kauft sich ein Haus in der Prignitz und zieht zu Corona- Zeiten aus Berlin dorthin. In Berlin lebte sie mit ihrem Freund in einer Altbauwohnung, nun lebt sie allein im Nirgendwo. In einem Ort, in dem es weder einen Supermarkt, noch einen Bäcker oder sonst irgendeinen Laden gibt. Bald wird ihr klar, dass es kein „Schwarz- Weiß“ gibt, dass die Gewissheiten, mit denen sie bisher lebte, sich in diesem kleinen Dorf auflösen wie Zucker im Kaffee. 

Wenn der Nachbar zur Rechten, nicht nur rechts von einem wohnt, sondern auch ein bekennender Neonazi ist, wenn der Nachbar gegenüber von „Pflanzkanacken“ spricht und damit die Erntehelfer meint… kann man dann mit denen überhaupt reden? Ja, kann man an so einem Ort überhaupt leben? Da muss man sich doch abgrenzen! Aber so einfach ist das Leben eben nicht. Das macht Juli Zeh in ihrem Buch so wunderbar deutlich. 

Sie lässt uns teilhaben an der Wandlung, die in der Werbetexterin Dora vor sich geht und bewirkt durch ihren Schreibstil, dass man sich beim Lesen selbst hinterfragt- jedenfalls ging mir das so.

Es geht in diesem Buch um Stadt und Land, um Nazi und Gutmensch, um Corona, um Arbeit und Burnout, und bei all dem letztlich um Menschlichkeit. Wie gehen wir miteinander um, wann ist der Mensch ein Mensch etc.

 

In Bezug auf die Corona- Krise lässt die Autorin Dora an einer Stelle sagen, was für das Leben insgesamt gilt:

Meistens besteht das Leben aus Trial an Error, und der Mensch kann viel weniger begreifen und kontrollieren, als er glaubt.“

 

Und an einer anderen Stelle allgemeiner/ die gesellschaftliche Situation betreffend: „Die Tragik unserer Epoche,…, besteht darin, dass die Menschen ihre persönliche Unzufriedenheit mit einem politischen Problem verwechseln.“

 

Dieses Buch ist hochaktuell, witzig, nachdenklich und relativiert so manche Hysterie unserer Zeit.

 

 

 

 

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