Ken Folletts erster
erfolgreicher Roman „Die Nadel“ wurde bereits 1978 veröffentlicht. In den
neunziger Jahren lasen viele Mitglieder meiner Familie begeistert seine Romane.
Ich dagegen entdeckte diesen Autor erst im Herbst 2014 für mich, als ich das
erste Buch der Trilogie des 20. Jahrhunderts las. Nicht, dass ich damals schon
gewusst hätte, dass es der erste Band einer Trilogie ist. Nein! Ich hatte
gerade nichts weiter zu lesen und dachte mir: Schau mal, vielleicht
interessiert es dich ja…
Und das tat es! Ich
verschlang das Buch!
Kurz gesagt, behandelt
das erste Buch den ersten Weltkrieg, das zweite den zweiten und das dritte den
kalten Krieg. Die Dramen des 20. Jahrhunderts.
Was mir besonders
gefallen hat, ist, dass Follett die Geschichte personalisiert. Er ist
historisch genau, liefert viele Hintergründe, aber es wird nie langweilig, weil
er alle Ereignisse in Bezug zu Menschen setzt. Es wird je eine
Familiengeschichte in Russland, in England, in den USA und in Deutschland
erzählt. Alle werden miteinander verwoben, wie auch die Geschichte dieser
Länder miteinander verbunden ist. Jede Familie hat Bezüge zur Macht und ihre
Geschichten liefern dadurch auch einen Einblick in die Zentralen der Macht der
einzelnen Länder, in die Hintergründe der Entscheidungen, die zu den
schrecklichen Ereignissen führten, die das
20. Jahrhundert so
sehr prägten.
Die Geschichte der
russischen Familie Peschkow zeigt aus meiner Sicht deutlich das Scheitern des
Traumes von einer besseren Welt, wie sie die Anhänger von Marx und Engels mit
ihrer Idee vom Sozialismus/ Kommunismus verfolgten. Diese Idee scheitert an den
menschlichen Eigenschaften. Die Menschen, die sich bemühen, diese negativen
Eigenschaften zu unterdrücken, sehen sich einer Übermacht niederer Charaktere
gegenüber, die jede noch so wundervolle Idee ad absurdum führen, die nur ihre
Vorteile sehen und Andersdenkende gnadenlos mundtot machen, bedrohen oder gar beseitigen.
Nun gut, wir wissen ja schon lange, dass die Diktatur des Proletariats eben
auch eine Diktatur ist und dass Diktaturen das hässlichste im Menschen zum
Vorschein bringen, hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts deutlich gezeigt.
Dass auch die
Demokratie nur so gut ist, wie die Menschen, die in ihr leben und vor allem
derer, die an den Hebeln der Macht sitzen, zeigen die Geschichten der Familien
Dewar, Vyalov, von Ulrich und Fitzherbert. Einzig Ethel Williams, Tochter eines
Gewerkschaftsführers der Bergarbeiter in Wales, die sich im Laufe der
drei Romane vom Dienstmädchen in einem Herrenhaus zu einer anerkannten
Politikerin im britischen Parlament entwickelt, scheint mir unerschütterlich in ihren Überzeugungen. Sie bewegt viel und erreicht die
Durchsetzung so manchen Gesetzentwurfes, der unwahrscheinlich schien.
Spannend, weil für
mich nicht so im Bewusstsein, waren für mich die Schilderungen der Unruhen in
den USA nach 1945 (im dritten Band „Kinder der Freiheit“). Dass die Schwarzen
ungerecht behandelt wurden, wusste ich zwar, aber wie stark die Widerstände auf
höchster Ebene gegen Gesetze zur Gleichberechtigung und deren konsequente Durchsetzung
waren, wurde mir erst durch die Lektüre von Ken Folletts Romanen so richtig
bewusst.
Die Ungerechtigkeit
des DDR- Systems habe ich an eigenem Leib erfahren. Es war mir nicht neu, aber
es jagte mir doch immer noch Schauer über den Rücken, darüber zu lesen. Diese Willkür. Diese schreiende
Ungerechtigkeit.
Die Ungerechtigkeit
gegenüber den Schwarzen in den USA, die Unterdrückung und Ausbeutung der
Arbeiter in Großbritannien, die entsetzliche Armut der Menschen in Russland, wie
auch die Willkür gegenüber den Andersdenkenden in der Sowjetunion und der DDR,
macht Follett physisch und psychisch erfahrbar in seinen Romanen. Ich habe
angespannt dagesessen und konnte nicht aufhören zu lesen und manche Dramen
verfolgten mich in meine Träume.
Die Bücher haben mich
neu sensibilisiert für die Probleme, die auch heute noch bestehen, die nur in
wenigen Bereichen geringer geworden sind, die manchmal gelöst scheinen, nur um
dann doch immer wieder einmal aufzubrechen…
Wenn ich verfolge, was
in Israel und Gaza, in der Ukraine und im Irak geschieht, wenn ich mir den
Zulauf des Mobs zu Pegida- Demos anschaue, dann frage ich mich, ob die
Menschheit jemals aus den Schrecken der Geschichte lernen wird…
Vielleicht sollten sie
diese Trilogie lesen… vielleicht könnten sie daraus etwas lernen…
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