Samstag, 31. Januar 2015

Ken Follett Trilogie des 20. Jahrhunderts „Sturz der Titanen“, „Winter der Welt“, „Kinder der Freiheit“

Ken Folletts erster erfolgreicher Roman „Die Nadel“ wurde bereits 1978 veröffentlicht. In den neunziger Jahren lasen viele Mitglieder meiner Familie begeistert seine Romane. Ich dagegen entdeckte diesen Autor erst im Herbst 2014 für mich, als ich das erste Buch der Trilogie des 20. Jahrhunderts las. Nicht, dass ich damals schon gewusst hätte, dass es der erste Band einer Trilogie ist. Nein! Ich hatte gerade nichts weiter zu lesen und dachte mir: Schau mal, vielleicht interessiert es dich ja…
Und das tat es! Ich verschlang das Buch!

Kurz gesagt, behandelt das erste Buch den ersten Weltkrieg, das zweite den zweiten und das dritte den kalten Krieg. Die Dramen des 20. Jahrhunderts.
Was mir besonders gefallen hat, ist, dass Follett die Geschichte personalisiert. Er ist historisch genau, liefert viele Hintergründe, aber es wird nie langweilig, weil er alle Ereignisse in Bezug zu Menschen setzt. Es wird je eine Familiengeschichte in Russland, in England, in den USA und in Deutschland erzählt. Alle werden miteinander verwoben, wie auch die Geschichte dieser Länder miteinander verbunden ist. Jede Familie hat Bezüge zur Macht und ihre Geschichten liefern dadurch auch einen Einblick in die Zentralen der Macht der einzelnen Länder, in die Hintergründe der Entscheidungen, die zu den schrecklichen Ereignissen führten, die das
20. Jahrhundert so sehr prägten.

Die Geschichte der russischen Familie Peschkow zeigt aus meiner Sicht deutlich das Scheitern des Traumes von einer besseren Welt, wie sie die Anhänger von Marx und Engels mit ihrer Idee vom Sozialismus/ Kommunismus verfolgten. Diese Idee scheitert an den menschlichen Eigenschaften. Die Menschen, die sich bemühen, diese negativen Eigenschaften zu unterdrücken, sehen sich einer Übermacht niederer Charaktere gegenüber, die jede noch so wundervolle Idee ad absurdum führen, die nur ihre Vorteile sehen und Andersdenkende gnadenlos mundtot machen, bedrohen oder gar beseitigen. Nun gut, wir wissen ja schon lange, dass die Diktatur des Proletariats eben auch eine Diktatur ist und dass Diktaturen das hässlichste im Menschen zum Vorschein bringen, hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts deutlich gezeigt.

Dass auch die Demokratie nur so gut ist, wie die Menschen, die in ihr leben und vor allem derer, die an den Hebeln der Macht sitzen, zeigen die Geschichten der Familien Dewar, Vyalov, von Ulrich und Fitzherbert. Einzig Ethel Williams, Tochter eines Gewerkschaftsführers der Bergarbeiter in Wales, die sich im Laufe der drei Romane vom Dienstmädchen in einem Herrenhaus zu einer anerkannten Politikerin im britischen Parlament entwickelt, scheint mir unerschütterlich in ihren Überzeugungen. Sie bewegt viel und erreicht die Durchsetzung so manchen Gesetzentwurfes, der unwahrscheinlich schien.

Spannend, weil für mich nicht so im Bewusstsein, waren für mich die Schilderungen der Unruhen in den USA nach 1945 (im dritten Band „Kinder der Freiheit“). Dass die Schwarzen ungerecht behandelt wurden, wusste ich zwar, aber wie stark die Widerstände auf höchster Ebene gegen Gesetze zur Gleichberechtigung und deren konsequente Durchsetzung waren, wurde mir erst durch die Lektüre von Ken Folletts Romanen so richtig bewusst.

Die Ungerechtigkeit des DDR- Systems habe ich an eigenem Leib erfahren. Es war mir nicht neu, aber es jagte mir doch immer noch Schauer über den Rücken, darüber zu lesen. Diese Willkür. Diese schreiende Ungerechtigkeit.

Die Ungerechtigkeit gegenüber den Schwarzen in den USA, die Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter in Großbritannien, die entsetzliche Armut der Menschen in Russland, wie auch die Willkür gegenüber den Andersdenkenden in der Sowjetunion und der DDR, macht Follett physisch und psychisch erfahrbar in seinen Romanen. Ich habe angespannt dagesessen und konnte nicht aufhören zu lesen und manche Dramen verfolgten mich in meine Träume.

Die Bücher haben mich neu sensibilisiert für die Probleme, die auch heute noch bestehen, die nur in wenigen Bereichen geringer geworden sind, die manchmal gelöst scheinen, nur um dann doch immer wieder einmal aufzubrechen…

Wenn ich verfolge, was in Israel und Gaza, in der Ukraine und im Irak geschieht, wenn ich mir den Zulauf des Mobs zu Pegida- Demos anschaue, dann frage ich mich, ob die Menschheit jemals aus den Schrecken der Geschichte lernen wird…


Vielleicht sollten sie diese Trilogie lesen… vielleicht könnten sie daraus etwas lernen…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich immer über Nachrichten/ Kommentare und daraus entstehenden Austausch :)