Sonntag, 17. Januar 2016

Hape Kerkeling „Der Junge muss an die frische Luft“

Sein Buch „Ich bin dann mal weg“ las ich vor vielen Jahren mit Begeisterung. Voller Vorfreude nahm ich darum nun sein zweites Buch zur Hand… und war am Ende etwas enttäuscht.
Kerkeling beschreibt seine Kindheit mit warmen Worten, dem ihm eigenen Wortwitz und lässt auch die traurigen Momente nicht aus.
Letztlich entstand bei mir aber der Eindruck, dass er dieses Buch doch eher für sich selbst geschrieben hat. Als eine Art therapeutischer Auseinandersetzung mit seinem Verhältnis zu seiner Mutter.
Vielleicht ist es gut, einem Menschen, der andere so sehr zum Lachen bringen kann, hinter die Maske zu sehen? Kerkeling warf mit diesem Buch bei mir die Frage auf, ob die besten Clowns immer einen traurigen Hintergrund haben müssen, um so begeistern zu können, wie es gute Clowns tun…
Vielleicht ließ mich dieses Buch auch darum unzufrieden zurück, weil es mir so unvollständig schien. Er nimmt Abschied vom Showgeschäft- und nun? Was weiter? Warum lässt er uns an diesem Abschied teilhaben, sagt aber nicht, wie es weiter geht? Vielleicht, weil er es selbst nicht weiß? Oder weil er eben nun nicht mehr so viele daran teilhaben lassen will? Warum dann die ausführliche Beschreibung des Dramas seines Lebens?
Er beschreibt seine frühe Kindheit als rundum glücklich. Nach dem Tod seiner Mutter wird er von seiner Großmutter väterlicherseits aufgefangen und ich dachte: was für ein Glück er hatte, dass es diese herzenswarme Dame in seinem Leben gab. Aber welche Rolle spielte sein Vater, welche sein Bruder? Beide scheinen nur Randfiguren in Kerkelings Leben zu sein, denn über sie erfährt man nur sehr wenig.


Ich frage mich also: warum erzählt er das Eine so ausführlich, reißt anderes nur an und lässt wieder anderes komplett weg? Für eine Autobiografie ist es zu wenig, selbst wenn es nur der Kindheitsteil wäre, weil aus meiner Sicht zu viele Teile fehlen. Um sich mit der Geschichte zwischen seiner Mutter und ihm auseinanderzusetzen, hätte er vielleicht lieber einen Roman schreiben sollen. So bleibt bei mir das Gefühl, eine Therapiesitzung belauscht zu haben und das ist eher unangenehm. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich immer über Nachrichten/ Kommentare und daraus entstehenden Austausch :)