Sonntag, 10. Juli 2022

Neil Alexander „Die geheimnisvollen Briefe der Margaret Small

Das erste Urlaubsbuch in diesem Jahr und schon ausgelesen! Na, gut, ich hatte bereits vor ein paar Tagen begonnen, darin zu lesen, aber gestern nach meiner Ankunft in der blauen Pause, die mein Feriendomizil für die kommenden drei Wochen sein wird, und heute den ganzen Tag, tat ich nicht viel mehr, als zu lesen  Welch ein Genuss! Nun will ich aber auch endlich wieder beginnen, über die Bücher zu schreiben, die ich lese, weshalb ich gleich damit anfange.

Margaret wird 1947, im Alter von sieben Jahren, in ein Kinderheim gebracht, das eher eine Klinik ist. Dort bleibt sie, bis sich irgendwann die Zeiten ändern und Menschen wie ihr endlich auch ein eigenständiges Leben zugetraut und zugestanden wird. Da ist sie dann schon vierzig Jahre alt. Heute würde man sagen, Margaret hat Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung. Damals galt sie als behindert und man meinte, der Gesellschaft solche Menschen, selbst deren Anblick, nicht zumuten zu können. Sie wurden weggesperrt und dort, wo sie waren, nicht freundlich, eher häufig menschenunwürdig, behandelt. Ihr Leben galt nichts und wenn eine/r von ihnen starb, war es auch nicht schlimm. So grausam das klingt, war es leider.

 

Neil Alexander erzählt die Geschichte der fiktiven Margaret Small stellvertretend für die vielen Menschen, die auf die eben beschriebene Weise für die Gesellschaft unsichtbar gemacht wurden.

Die Kapitel wechseln zwischen Margarets Alltag als über Siebzigjährige und ihrer Zeit als Kind und junge Erwachsene in der Klinik. Die Tatsache, dass der Autor die Protagonistin aus der Ich- Perspektive erzählen lässt, bringt sie dem Leser besonders nahe… und verdeutlicht, wie arrogant die Haltung derer ist, die meinen, Menschen, die irgendwelche Beeinträchtigungen haben, veralbern, beschimpfen, übersehen zu dürfen oder mit ihnen sprechen zu müssen, als würden diese nichts verstehen. 

Ich hatte sofort einige Menschen aus meinem beruflichen Umfeld im Kopf, denen ich dieses Buch empfehlen könnte. Menschen, die eben diese arrogante Haltung haben oder zumindest von Zeit zu Zeit Sprüche von sich geben, die diese Haltung zum Ausdruck bringen.

 

Auch wenn es heute inklusive Schulen gibt, wenn Kinder, denen man es früher nicht zutraute, heute lesen und schreiben lernen, ist das Thema des Buches hochaktuell. Darüber hinaus liest es sich sehr gut und ich empfehle es allen, die gern Geschichten lesen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden und dabei Bezüge zu tatsächlichen Geschehnissen/ gesellschaftlichen Verhältnissen herstellen.

 

 

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