Donnerstag, 5. November 2015

Rolf Lappert „Über den Winter“

Was will der Autor mir mit seinem Text sagen? Diese Frage stellte ich mir beim Lesen dieses Buches immer wieder. Ich gab die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann heller werden würde, der Frühling käme, sozusagen. Nicht nur in der Natur, sondern auch im Leben des fast fünfzigjährigen Protagonisten Lennard Salm. Aber kann noch Frühling kommen im Herbst des Lebens? Oder geht es nur noch abwärts und hat alles eh keinen Sinn mehr?  
Salm, wie Lennard Salm meistens nur kurz heißt, hatte wohl eine Mutter, die unfähig war, ihren Kindern Wärme und Liebe zu geben. Die „nordische Königin“ nennt er sie. Der Vater war auch ein Opfer ungünstiger Lebensumstände, aber für ihn empfindet der Sohn liebevolle Zuneigung. Aus meiner Sicht der einzige, flackernde Lichtstreif. Der Vater wird beschrieben als einer, der selbst immer freundlich und verständnisvoll war. Der Sohn erlangt mit provokativer Kunst Berühmtheit, lebt eine Zeit lang in New York…
Der Leser lernt ihn jedoch erst kennen, als er in einer tiefen Sinnkrise steckt. Winter außen wie innen. 

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Christopher Morley „Eine Buchhandlung auf Reisen“

Ich kaufte dieses Buch, weil ich selbst so gerne lese und mich also alles, was mit der Leidenschaft für Bücher zusammenhängt, magisch anzieht. Außerdem hatte mich der Roman „Das Lavendelzimmer“ von Nina George, in dem  eine „Literarische Apotheke“, eine ganz besondere Buchhandlung auf einem ehemaligen Lastkahn, eine große Rolle spielt, sehr beeindruckt und ich dachte, dass es mir mit diesem Buch ebenso gehen könnte.
Dem war nicht ganz so. Aber es ist ein durchaus unterhaltsame und anregende Geschichte… Einige der Bücher, auf die im Text Bezug genommen wird, werde ich sicher noch lesen.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Cristina Caboni „Die Rosenfrauen“

Den Titel fand ich etwas verwirrend, denn es geht zwar auch um Rosen, aber aus meiner Sicht nur am Rande. In der Hauptsache geht es um Parfüm.
Eine junge Florentinerin sieht sich zu Beginn des Buches vor den Scherben einer Liebesbeziehung. Dieser Bruch in ihrem Leben führt sie jedoch zurück zu dem, was sie besonders gut kann. Eine „Nase“ wird sie genannt, denn sie kann die einzelnen Duftstoffe, aus denen ein Parfüm kreiert wurde, identifizieren. Ich kann mir das kaum vorstellen. Wenn ich an den geöffneten Türen einer großen Parfumerie vorbei gehe, habe ich das Gefühl, gar nichts mehr zu riechen, als diesen durchdringenden süßen, schweren Duft. Ich glaube manchmal sogar ihn auf der Zunge zu spüren!
Genau das wird in diesem Buch auch kritisiert, dass Kunden sich gar nicht wirklich für ein Parfüm entscheiden können, weil ihre Geruchsnerven schon benebelt sind, wenn sie eine große Parfumerie betreten. Die meisten kaufen dann irgendeine gängige oder angepriesene Marke, die manchmal nicht einmal zu ihnen passt.