Die Geschichte erzählt
von drei alten Damen. Alle drei haben zum Zeitpunkt der Geschichte ein
unglaubliches Alter erreicht: 84, 98 und 100! Sie treffen sich zum Hundertsten
von Gertrud. Die Jüngste richtet den Geburtstag aus. Wenn man sie so agieren
sieht, dann glaubt man manchmal nicht, dass sie bereits 84 Jahre alt ist. Wie
oft kann man wesentlich jüngere Leute heutzutage über vergleichsweise
lächerliche Belastungen stöhnen hören? Aber es gab eben schon immer „sone und
solche“, nicht wahr? Und Katty, die Jüngste, gehört offensichtlich zu denen,
die einfach zupacken können, die voller Energie und Lebensfreude sind und
vielleicht auch darum in diesem Alter noch so aktiv?!
Anne Gesthuysen
beschreibt das Leben der drei Schwestern vor allem in Bezug auf den
Tellemannshof. Was dort geschah und welche Auswirkungen das auf das Verhältnis
der Geschwister zueinander, wie auch auf jede einzelne hatte, das ist aus
meiner Sicht der wesentliche Teil der Geschichte. Spannend dabei, welche
Konventionen und Moralvorstellungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschten
und an wie viele dieser sich die Schwestern teilweise bis heute gebunden sehen…
glücklicherweise hat sich etliches davon in den nachfolgenden Generationen
aufgelöst, wie z.B. die Unmöglichkeit der Heirat außerhalb des
gesellschaftlichen Standes, die Verteufelung von Homosexualität als etwas
Abartiges oder der Judenhass, der eine Liebe zwischen einer Katholikin und
einem Juden unmöglich machte.
Nun gut, Hass und
Verachtung sind leider auch heute noch nicht abgeschafft, aber sie sind immerhin
und glücklicherweise nicht mehr so gesellschaftsfähig wie damals, auch wenn ich
mir bei manchem, was dieser Tage so durch die Medien geht, nicht sicher bin,
welche Haltung unsere Regierung und Teile der Bevölkerung dazu wirklich haben…
Aber weiter zu der
Geschichte:
Anne Gesthuysen
gelingt es, die drei Damen drei Tage lang zu begleiten. Sie beschreibt sowohl
die Festvorbereitungen, als auch die Gedanken und Erinnerungen, die bei den
Frauen anlässlich dieses Festes hochkommen. So runde Geburtstage und
insbesondere die Doppelnull, verführen alle Beteiligten dazu, zurückzublicken:
Was war damals und wie kam es zu diesem oder jenem? Wie wäre mein Leben verlaufen
wenn…? Können wir nicht doch das eine oder andere Missverständnis noch
ausräumen oder wenigstens „zu den Akten legen“, sprich: können wir vergeben/
verzeihen?
Meine Großmutter ist
vor zwei Jahren 90 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Geburtstages habe ich
einige Ereignisse aus ihrem Leben chronologisch zu Papier gebracht. Wir haben
schon immer viel darüber gehört von ihr und es bereitete ihr immer Freude, zu erzählen
von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrem Überleben im zweiten Weltkrieg, der
schweren Zeit danach… ich habe alles in Form gebracht und mit Fotos versehen
und es ist ein Dokument entstanden, das auch nachfolgenden Generationen die
Möglichkeit gibt, sich an die Oma und die Zeit, in der sie aufwuchs zu erinnern…
außerhalb des Wissens der Geschichtsbücher, ganz privat, ganz persönlich…
Ich denke, das Buch
von Anne Gesthuysen hat ähnlichen Charakter für ihre Familie. Sie hat, anders als ich, daraus einen Roman gemacht und damit die Möglichkeit geschaffen, auch andere anzuregen, in der eigenen Familie vielleicht genauer hinzuschauen, zuzuhören, sich
erzählen zu lassen…
Vieles versteht man erst, wenn man weiß, unter welchen Umständen es entstand und Verständnis füreinander ist eine gute Basis für harmonischen Umgang miteinander…
Vieles versteht man erst, wenn man weiß, unter welchen Umständen es entstand und Verständnis füreinander ist eine gute Basis für harmonischen Umgang miteinander…
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