„Die
Vermessung der Welt“ war ein Riesenerfolg und wurde sogar verfilmt. Hat der
damit zusammenhängende Ruhm Herrn Kehlmann dazu gebracht, aufzuschreiben, wie
es einem gehen kann, wenn man jenen plötzlich erlangt?
Dieser
Roman in neun Geschichten, wie der Untertitel verrät, hat bei mir das Gefühl
ausgelöst, dass der Autor schlichtweg Angst vor dem Ruhm hat: entweder man wird
verrückt und weiß plötzlich nicht mehr, wer man ist oder will sowieso ein
anderer sein, oder man wird auf einer Lesereise einfach vergessen und muss nun
sein Dasein in der asiatischen Steppe bei einfachen Bauern fristen, weil
niemand nach einem sucht. Nerv tötend sind die Fragen der Leser, weil es die
immer gleichen sind: Woher haben Sie Ihre Ideen? und Wissen Sie, wo ich Ihr
Buch gelesen habe? Oder die Figuren, die irgendwie alle real sind und manchmal
dann einfach machen was sie wollen, Beziehungen, die zerbrechen, weil die
Menschen sich plötzlich in einem der Bücher des Autors wiederfinden, fanatische
Fans, die keinen Bezug zur Realität haben und einem womöglich das Hotelzimmer
zerlegen… Das muss einen ja verrückt machen!!! Der arme Autor!!!
Ich
denke, Herr Kehlmann hätte gut daran getan, wenn er aus jeder der Geschichten
einen eigenen Roman gemacht hätte, denn dieses Potential haben sie aus meiner
Sicht. So in dieser Kürze zusammengefasst, hinterlassen sie jedoch den bitteren
Nachgeschmack dessen, dass der Autor dieses Buch zur Verarbeitung seiner
Erfahrungen und Ängste geschrieben hat, zur Warnung vielleicht auch an alle,
die Ruhm anstreben: Seht, das alles könnte euch passieren!!!
Natürlich
kann man mir jetzt entgegenhalten, was auf dem Buchdeckel steht: „Ein
Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen- komisch, tiefgründig und
elegant erzählt vom Autor der ‚Vermessung der Welt‘.“ Und ja, in jeder
Geschichte tauchen Figuren aus der anderen irgendwie auf, gibt es durchaus auch
erfreuliche Momente beim Lesen, wenn sich doch etwas klärt. Aber mich
interessiert nun einmal, was aus der Autorin wird, die in der Steppe vergessen
wurde oder aus dem Star, der plötzlich durch sein Double ersetzt wurde oder
auch nicht. Gut, vielleicht wäre es intellektueller zu sagen: Oh, interessant,
elegant erzählt! Da hat man so viele Möglichkeiten, die Geschichte selbst
weiterzuspinnen. Hallo???!!! Ich kaufe doch kein Buch, um mir die Geschichte
selbst weiterzuspinnen!!! Also jedenfalls nicht nach so wenigen Seiten und
nicht nach so wenig Erzähltem!
Gut,
also nochmal kurz: das Buch ist durchaus lesenswert, wenn man es liebt viele
angefangene Geschichten, die in der Schwebe bleiben und (sehr viel)Raum für
Spekulation lassen, zu lesen. Es ist auch lesenswert, wenn man Spaß an
verrückten Ideen und grotesk miteinander verknüpften Leben hat, z.B.: eine
Beziehung geht in die Brüche, weil eine Telefonnummer doppelt vergeben wurde,
was wiederum nur geschah, weil der verantwortliche Mensch bei der
Telefongesellschaft gerade verliebt ist und beginnt ein Doppelleben zu führen.
Das ist schon auch witzig… aber für meinen Geschmack eben zu viel davon und zu
wenig zu Ende erzählt. So. Punkt.
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