Samstag, 5. Juli 2014

Simon Beckett „Der Hof“

Sommer in Südfrankreich. Ein heruntergekommener Hof. Ein verbitterter Vater und seine beiden Töchter. Die eine erwachsen und Mutter eines kleinen Jungen, still, in sich zurückgezogen und doch stark. Die andere 18 jährig, hin und her gerissen zwischen der Suche nach Leben und der Verpflichtung gegenüber dem Vater… In diese spannungsgeladene Atmosphäre gerät der Engländer Sean, seinerseits auf der Flucht vor sich selbst und dem, was er zu verantworten hat… und dann ist da noch die Schweinezucht im Wald, der zum Hof gehört. Sanglochons zieht der Vater dort. Eine Kreuzung zwischen schwarzen Hausschweinen und Wildschwein.

Während der gesamten Lektüre war ich angespannt. Ich spürte die Geheimnisse der Menschen, die diesen Hof in jenem Sommer bewohnten. Die Hitze des südfranzösischen Sommers scheint ein Sinnbild für die Spannung zu sein, die sich aufbaut, dann wieder nachlässt, aber nie ganz verschwindet. Ich hatte stets das Gefühl, es müsse sich gleich alles in einem mächtigen Gewitter entladen…

…und so ist es dann auch. Das Gleichnis fällt mir gerade auf, da ich über dieses Buch schreibe. Das Ende ist wie ein reinigendes Gewitter: kurz, aber heftig.

Unmittelbar nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, war ich enttäuscht: das Ende kam mir zu schnell. Zu sehr zusammengefasst erschien mir der Schluss nach der Anspannung des Sommers der ersten 406 Seiten. Auf den wenigen weiteren (50) Seiten wird dann alles aufgelöst, was vorher nur möglich schien… und irgendwie für mich auch enttäuschend aufgelöst… Sean ist letztlich ein Gutmensch, der darüber sinniert, ob das Böse auch in ihm steckt. Zitat: „ Unter der Oberfläche sind wir alle Tiere. Das will die Gesellschaft, die Arnaud so verabscheut, gerne verbergen. Die Wahrheit ist aber, dass keiner von uns weiß, wozu er im Grunde in der Lage ist. Wenn wir Glück haben, finden wir es nie heraus.“
Das klang für mich plakativ, wie der ganze Schluss, die ganzen restlichen 50 Seiten auf mich so wirkten, als hätte der Autor endlich fertig werden müssen, als sei der Abgabetermin schon einmal zu oft verschoben worden und er nun in der Pflicht, den Roman zu beenden.


Schade, denn die ersten 18 Kapitel sind wirklich lesenswert, sehr spannend und so, dass man meint dort zu sein, die Hitze zu spüren, den Schmerz, die unterdrückte Lust zu leben, die Zweifel, die Trauer, die Angst…

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