Sommer
in Südfrankreich. Ein heruntergekommener Hof. Ein verbitterter Vater und seine
beiden Töchter. Die eine erwachsen und Mutter eines kleinen Jungen, still, in
sich zurückgezogen und doch stark. Die andere 18 jährig, hin und her gerissen
zwischen der Suche nach Leben und der Verpflichtung gegenüber dem Vater… In
diese spannungsgeladene Atmosphäre gerät der Engländer Sean, seinerseits auf
der Flucht vor sich selbst und dem, was er zu verantworten hat… und dann ist da
noch die Schweinezucht im Wald, der zum Hof gehört. Sanglochons zieht der Vater
dort. Eine Kreuzung zwischen schwarzen Hausschweinen und Wildschwein.
Während
der gesamten Lektüre war ich angespannt. Ich spürte die Geheimnisse der
Menschen, die diesen Hof in jenem Sommer bewohnten. Die Hitze des
südfranzösischen Sommers scheint ein Sinnbild für die Spannung zu sein, die
sich aufbaut, dann wieder nachlässt, aber nie ganz verschwindet. Ich hatte
stets das Gefühl, es müsse sich gleich alles in einem mächtigen Gewitter
entladen…
…und
so ist es dann auch. Das Gleichnis fällt mir gerade auf, da ich über dieses
Buch schreibe. Das Ende ist wie ein reinigendes Gewitter: kurz, aber heftig.
Unmittelbar
nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, war ich enttäuscht: das Ende kam mir zu
schnell. Zu sehr zusammengefasst erschien mir der Schluss nach der Anspannung
des Sommers der ersten 406 Seiten. Auf den wenigen weiteren (50) Seiten wird
dann alles aufgelöst, was vorher nur möglich schien… und irgendwie für mich auch
enttäuschend aufgelöst… Sean ist letztlich ein Gutmensch, der darüber sinniert,
ob das Böse auch in ihm steckt. Zitat: „ Unter der Oberfläche sind wir alle
Tiere. Das will die Gesellschaft, die Arnaud so verabscheut, gerne verbergen.
Die Wahrheit ist aber, dass keiner von uns weiß, wozu er im Grunde in der Lage
ist. Wenn wir Glück haben, finden wir es nie heraus.“
Das
klang für mich plakativ, wie der ganze Schluss, die ganzen restlichen 50 Seiten
auf mich so wirkten, als hätte der Autor endlich fertig werden müssen, als sei
der Abgabetermin schon einmal zu oft verschoben worden und er nun in der
Pflicht, den Roman zu beenden.
Schade,
denn die ersten 18 Kapitel sind wirklich lesenswert, sehr spannend und so, dass
man meint dort zu sein, die Hitze zu spüren, den Schmerz, die unterdrückte Lust
zu leben, die Zweifel, die Trauer, die Angst…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich immer über Nachrichten/ Kommentare und daraus entstehenden Austausch :)