Samstag, 5. Juli 2014

John Williams „Stoner“

Von der Kritik hoch gelobt… auch dieses Buch… und wieder bin ich nicht ganz einverstanden mit dem, was jene Kritiker meinen.
Das heißt ich stimme ihnen darin zu, dass es wundervoll geschrieben ist. Die Melodie stimmt und passt und ist harmonisch bis zum Ende… wenn auch etwas eintönig, unaufgeregt, plätschernd… und ja, es ist auch berührend… verstörend fast, würde ich meinen.

William Stoner, dessen Leben hier erzählt wird, nimmt alles hin, wie es kommt. Nimmt es hin und lässt es ziehen. Immer wieder dachte ich, dass es doch nun irgendwann einmal genug sein muss, dass er doch irgendwann aufbegehren, sich wehren, etwas verändern muss. Aber nein, ein solcher Mensch ist William Stoner nicht. Trifft es wirklich das Wort „genügsam“, das einer der Kritiker verwendete? Ist es Genügsamkeit, wenn man immer nur dasteht und zusieht, wie andere das Leben gestalten und man selbst es im Grunde an sich vorüberziehen lässt? Manchmal hätte ich ihn schütteln wollen, diesen Stoner, weil ich nicht akzeptieren wollte, dass er es geschehen lässt, was da geschieht mit ihm und um ihn herum.
Aber ich bin natürlich nur Leserin, Beobachterin und als solche wurde ich, je weiter ich las, immer trauriger… und fragte mich, was auch Stoner sich in seinen letzten Stunden mehrfach fragt: „Was hast du denn erwartet?“ Was kann man vom Leben erwarten? Letztlich steuern wir doch alle ab dem Moment unserer Geburt auf das unausweichliche Ende zu… die alte Frage nach dem Sinn… Welchen Sinn hat es, aufzubegehren, berühmt zu werden, Freunde zu haben… sich abzustrampeln? Der, der dies nicht tut, lebt auch. Lebt er deswegen schlechter? Wer entscheidet darüber, ob das Leben einen Sinn hatte? Doch letztlich jeder für sich… Zufriedenheit zu finden, wäre vielleicht eines der Ziele, das sinnvoll wäre… ich bin mir nicht sicher, ob Stoner zufrieden war. Er ist aus meiner Sicht über weite Strecken eher Beobachter als Gestalter seines eigenen Lebens… Mhm, so ganz trifft es das nicht… er ist ein guter Lehrer, liebevoller Vater, hingebungsvoller Liebhaber… aber wenn andere ihm dies wegnehmen, dann steht er staunend und traurig da und akzeptiert es letztlich… bis auf ein einziges Mal gegen Ende seines Lebens in Bezug auf seine Arbeit… ein kleiner Lichtblick in diesem sonst aus meiner Sicht eher grauen Leben…


Wer also Lust auf gute Literatur hat, das Leben eines Menschen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in den USA betrachten und sich auf die Frage nach dem Sinn des Lebens einlassen mag, für den ist das Buch sicher ein Genuss. 

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