Von
der Kritik hoch gelobt… auch dieses Buch… und wieder bin ich nicht ganz
einverstanden mit dem, was jene Kritiker meinen.
Das
heißt ich stimme ihnen darin zu, dass es wundervoll geschrieben ist. Die
Melodie stimmt und passt und ist harmonisch bis zum Ende… wenn auch etwas
eintönig, unaufgeregt, plätschernd… und ja, es ist auch berührend… verstörend
fast, würde ich meinen.
William
Stoner, dessen Leben hier erzählt wird, nimmt alles hin, wie es kommt. Nimmt es
hin und lässt es ziehen. Immer wieder dachte ich, dass es doch nun irgendwann
einmal genug sein muss, dass er doch irgendwann aufbegehren, sich wehren, etwas
verändern muss. Aber nein, ein solcher Mensch ist William Stoner nicht. Trifft
es wirklich das Wort „genügsam“, das einer der Kritiker verwendete? Ist es
Genügsamkeit, wenn man immer nur dasteht und zusieht, wie andere das Leben
gestalten und man selbst es im Grunde an sich vorüberziehen lässt? Manchmal
hätte ich ihn schütteln wollen, diesen Stoner, weil ich nicht akzeptieren
wollte, dass er es geschehen lässt, was da geschieht mit ihm und um ihn herum.
Aber ich bin natürlich nur Leserin, Beobachterin und als solche wurde ich, je
weiter ich las, immer trauriger… und fragte mich, was auch Stoner sich in
seinen letzten Stunden mehrfach fragt: „Was hast du denn erwartet?“ Was kann
man vom Leben erwarten? Letztlich steuern wir doch alle ab dem Moment unserer
Geburt auf das unausweichliche Ende zu… die alte Frage nach dem Sinn… Welchen
Sinn hat es, aufzubegehren, berühmt zu werden, Freunde zu haben… sich
abzustrampeln? Der, der dies nicht tut, lebt auch. Lebt er deswegen schlechter?
Wer entscheidet darüber, ob das Leben einen Sinn hatte? Doch letztlich jeder
für sich… Zufriedenheit zu finden, wäre vielleicht eines der Ziele, das sinnvoll
wäre… ich bin mir nicht sicher, ob Stoner zufrieden war. Er ist aus meiner
Sicht über weite Strecken eher Beobachter als Gestalter seines eigenen Lebens…
Mhm, so ganz trifft es das nicht… er ist ein guter Lehrer, liebevoller Vater,
hingebungsvoller Liebhaber… aber wenn andere ihm dies wegnehmen, dann steht er
staunend und traurig da und akzeptiert es letztlich… bis auf ein einziges Mal
gegen Ende seines Lebens in Bezug auf seine Arbeit… ein kleiner Lichtblick in
diesem sonst aus meiner Sicht eher grauen Leben…
Wer
also Lust auf gute Literatur hat, das Leben eines Menschen zu Beginn des
zwanzigsten Jahrhunderts in den USA betrachten und sich auf die Frage nach dem
Sinn des Lebens einlassen mag, für den ist das Buch sicher ein Genuss.
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